Rechnen, recherchieren, resignieren? Nein … Realisieren!

Da saßen wir also nach dem Spaziergang mit Chico, ein wenig verliebt in den kleinen Kerl. Wobei – wenn wir mal ehrlich sind – eigentlich sehr verliebt. 😉

Jenny hatte natürlich schon vorher Informationen zusammen getragen und konnte mir einige Kosten nennen. Schutzgebühr im Tierheim 250€, Kastration ca. 100€, Geschirr/Halsband/Leine/Körbchen ca. 100€, Autotransportbox ca. 80€, *räusper* Hundesteuer 720€. Bei dem letzten Betrag dachte ich anfangs, ich hätte mich verhört. Dann hoffte ich, dass Jenny mich einfach auf den Arm nimmt. Leider beides Fehlanzeige.

Mit dem Betrag könnten wir auch prima in den Urlaub fliegen. Welche Grundlage haben die Länder und Gemeinden bitte, so viel Geld zu verlangen für einen Hund? Ein Pitbull macht auch nicht mehr Dreck als andere Hunde und der Verwaltungsaufwand bei der Stadt wird davon auch nicht gedeckt, die ganzen Anträge zahlt man schön separat. Eigentlich wollte ich keinen „Kleinkredit“ aufnehmen, um einem Hund ein Zuhause zu geben. Sollen wir also wirklich diese ganzen Kosten, Strapazen und Einschränkungen auf uns nehmen?

Während des bereits länger geplanten Kurztrips zu meinen Großeltern an die Nordsee konnten wir die bekannten Fakten auf uns wirken lassen, nebenher im Internet und am Telefon weiter recherchieren und die Anschaffung jeder für sich, aber auch gemeinsam, immer wieder bewerten.

Damit auch ich später mit Chico spazieren gehen kann, muss ich noch die Sachkundeprüfung ablegen. Der Mitarbeiter des Veterinäramtes war erstaunlicherweise freundlich und hilfsbereit am Telefon. Ich hatte beim Thema Listenhund eigentlich mit einer abweisenden Haltung gerechnet. Normalerweise kostet die Sachkundeprüfung 30€, wenn ich aber belegen kann, dass ich an einem Hund aus dem Tierschutz interessiert bin und deshalb die Prüfung mache, kostet sie nur 15€. Da hat mal jemand im Hinblick auf den Tierschutz mitgedacht 🙂
Der nächste Termin ist zwar erst in 2 Wochen, aber das ist noch zu ertragen. So bleibt mehr Zeit, um die „schwierigen“ Fragen zu lernen. Auch hier hatte Jenny bereits vorgeplant und die Fragebögen von der Webseite der Stadt Solingen ausgedruckt und mitgenommen.

In einem anschließenden Telefonat mit dem Tierheim Wipperfürth, in dem wir um die Bestätigung für das Veterinäramt bitten wollten, erfuhren wir Einiges über Chicos Vergangenheit, Er wurde im Juni 2015 in Bulgarien geboren und mit nur 5 Wochen von der Mutter und seinen Geschwistern getrennt und nach Deutschland geschmuggelt. Direkt im Anschluss ist er ins Tierheim Solingen gekommen, nur wenige Kilometer von uns entfernt. Ob das ein Wink des Schicksals war? Im Januar und Februar 2016 hat Chico bei einem Halter in Wuppertal gelebt, wurde aber nach nur 8 Wochen im Tierheim Wipperfürth wieder abgegeben. Als schwammiger Grund wurde die Unverträglichkeit mit einer älteren Hündin angegeben. Im Grunde hat der kleine Kerl also sein kurzes Leben hinter Gittern verbracht, ohne richtigen Kontakt zu anderen Hunden und ohne Erziehung durch Artgenossen und Menschen. 😐

Um eine Versicherung konnten wir uns an diesem Punkt noch nicht kümmern, da uns einige Details von Chico fehlten. Die gesammelten Erfahrungen der Internetgemeinde sind zwar nicht immer auch fundiertes Wissen, aber es war schon jetzt abzusehen, dass viele Versicherungen keine „gefährlichen Hunde“ aufnehmen.

Der obligatorische Bummel durch die Bremerhavener Fußgängerzone, den wir uns bei jedem Besuch meiner Großeltern gönnen, führte auch an der Buchhandlung vorbei. Praktischerweise hatte Jenny ihren Gutschein mit und konnte ein Buch vom Rütter erstehen. Man mag sich über das Buch, den Autor und seine Ansichten streiten, aber es war – bewusst oder unbewusst – ein weiterer Schritt in Richtung „Wir wagen es, wir adoptieren einen PitBull“.

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